September 2015, Museum der Kulturen Basel

Der finnische Tango ist ein Phänomen im Land, das als Hochburg der zeitgenössischen klassischen Musik gilt. In seiner kurzen, ca. 60-jährigen Geschichte erlebte der Tango bereits drei grosse Booms in Finnland. Hier begannen viele erfolgreiche Schlager- und Popartisten ihre Künstlerkarriere als Tangosänger. Hier äussert sich das sonst eher schweigsame Volk gerne, präzis und tiefsinnig zur Bedeutung seiner Mollmusik, deren Evergreens übrigens beinahe alle jungen Finnen mitsingen können. Hier heisst das grösste Musikfestival der Volkskultur „Tangomarkkinat“, ein Tango-Gesangwettbewerb in Seinäjoki, wo seit 1985 fast ununterbrochen Tangokönige und

-königinnen in einer sehr populären Liveübertragung gekrönt werden. Melancholie und Glamour pur.

 

Weniger glanzvoll, dafür aber umso stimmungsvoller kann man den Tango in den zahlreichen Tanzpavillons am See und in den nostalgischen Tanzrestaurants der Städte erleben. Hier stehen die Sänger und Sängerinnen ohne Starallüren, ernsthaft und charismatisch auf der Bühne. Unbeweglich erzählen sie von Sehnsucht und Schmerz. Die Melodien stammen fast ausschliesslich von Unto Mononen, einem Autodidakten, der seine beliebtesten Tangos in Moll komponierte, und von Toivo Kärki, der als 30-jähriger Jazzpianist den finnischen Tango aus der deutschen Marschmusik und russischen Romanze schuf.

 

Sehr mitreissende Tangoerlebnisse sind die unerwarteten Entrees von ”einsamen” Akkordeonisten. Diese musikalischen Vagabunden, die sowohl professionell als auch laienhaft musizieren, pflegen ein äusserst reiches Solorepertoire, weil sie ihr Publikum in sehr unterschiedlichen Umgebungen unterhalten: eine fröhliche Hochzeitsgesellschaft auf einem Dampfer im Saimaa-See, ein hochkonzentriertes Eishockeyteam im Reisebus in der karelienischen Waldlandschaft, Blockhüttenbauer in der lappländischen Wildnis. Nirgendwo treten die Akkordeonisten ohne die traurigen Tangos auf, die - paradoxerweise – die Finnen in Stimmung bringen. Das einstige Folklore-Instrument, Akkordeon, verleiht der Tango-Musik einen edlen und unverwechselbaren Ton.    

 

Sofia Ahjoniemi, mehrfache Preisträgerin diverser nationalen Akkordeon-Wettbewerbe, stellt Musik für Soloakkordeon von Komponisten von gestern und heute vor. Mit ihren Kolleginnen, Linda Bärlund und Eeva Reetta Laiho, bildet sie das Feeling blue & white Tango-Trio. Die Künstlerinnen spielen eigene Arrangements u. a. von den Tangos „Täysikuu“ und „Satumaa“, die beide einen Stellenwert von Nationalhymne in Finnland haben.    

Akkordeon im finnischen Tango

Petri Makkonen (*1967)

Disco Tango für Akkordeon (2003)

 

Lasse Pihlajamaa (1916–2007)

Libelle für Akkordeon (Sudenkorento, 1949)

Tanz des Windes für Akkordeon (Tuulen tanssi, 1949/ 1975)

 

Aulis Sallinen (*1935)

Präludien und Fugen op. 95 für Akkordeon (2009)

 

Toivo Kärki (1915–1992)

Darum bin ich traurig bearb. für Tango-Trio

(Siks‘ oon mä suruinen, 1944)

 

Am Lagerfeuer bearb. für Tango-Trio (Leirinuotiolla, Trad.)

 

Polka-Potpourri für Akkordeon

 

Toivo Kärki (1915–1992)

Vollmond bearb. für Tango-Trio (Täysikuu, 1953)

 

Unto Mononen (1930–1968)

Wunderland bearb. für Tango-Trio (Satumaa, 1955)

Künstlerinnen

Feeling blue & white Tango-Trio mit

Sofia Ahjoniemi, Akkordeon

Linda Bärlund, Violine

Eeva Reetta Laiho, Klavier

 

Konzertbegrüssung: Dominik Wunderlin,

stv. Direktor des Museums der Kulturen Basel 

Kontakt Feeling blue & white

 

Künstlerische Leitung: Joonas Pitkänen, pitkaenen(at)gmx.ch, Tel 078 718 9033
PR & Events: Krista Järvensivu, jaervensivu(at)gmx.ch, Tel 077 415 7688

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