Januar 2016, Piano Eckenstein, Basel

Die Vielfalt des kulturellen Erbes von Lasse Pihlajamaa (1916-2007) für die finnische Musikgeschichte ist atemberaubend. Er setzte seine „künstlerische Hyperaktivität“ umfassend und konsequent für alle relevanten Bereiche der einheimischen Akkordeonkunst ein: für die Erweiterung des Repertoires mit Kompositionen und Arrangements, Steigerung des Niveaus des Musikernachwuchses, technische Entwicklung des Instruments und Verbesserung des Unterrichtsangebots. Pihlajamaa, der Autodidakt, war ein äusserst talentierter Komponist, beliebter und geschätzter Pädagoge und charaktervoller Humanist. Es gelang ihm, seine Branche vollständig zu professionalisieren - leidenschaftlich und mit viel Respekt für die traditionelle Spielkultur.

 

Seine ambitionierte Vision, den Weg des Akkordeons auf die nationalen und internationalen Konzertbühnen zu ebnen, war eine tragende Motivation für seine engagierte Arbeit. Er steht hinter dem Können und Wissen einer Akkordeonisten-Generation Finnlands. 15 Jahre lang bildete er Musiker in seinem 1957 gegründeten privaten Akkordeoninstitut aus. Sie wiederum setzten sich dafür ein, dass ihr Instrument, das meist dem volkstümlichen Bereich zugeordnet wurde, Ende der 70er-Jahre von Musikkonservatorien, einschliesslich der Sibelius-Musikakademie, als Lern- bzw. Studienfach aufgenommen wurde.

 

Das Privatinstitut von Pihlajamaa wirkte in einer Zeit, in welcher der idyllische Agrarstaat Finnland zu einer aufstrebenden Industriegesellschaft wurde. Die Urbanisierung widerspiegelte sich in der Kultur der 60er-Jahre als Bedürfnis, die eigenen Wurzeln zu verstehen. Die damalige, heisse Kulturdiskussion beschäftigte sich mit den absurden Kernfragen „Ist ein Baumstumpf Kunst?“ sowie „Ist eine schlechte Sinfonie besser als ein guter Schlager“? 

 

Sinn für geschicktes Vorausschauen zeigte in dieser debattierfreudigen Atmosphäre das höchste Verfassungsorgan des Landes, das Parlament, als es u. a. Kulturförderungsgesetze erlies und den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der dezentralisierten Musikausbildung legte. Dank der zahlreichen Musiklehranstalten, heute sind es 97, wurde es möglich, das Land von Süden nach Norden nach neuen Talenten zu durchkämmen. 

 

Talent kombiniert mit fundiertem Fachwissen und –können: Dieses Rezept erwiess sich als goldrichtig, als Instrumentalisten und vor allem Dirigenten und Sänger aus dem kleinen, fernen Land im Norden in den internationalen Wettbewerben der 80er- und 90-er Jahre begehrte Preise gewannen. Unter ihnen befanden sich auch Solisten, die ihre Ausbildung bei Lasse Pihlajamaa absolvierten. 

 

Mit „Revontulten alla“, Unter dem Polarlicht, will die finnische Konzertreihe Feeling blue & white, Lasse Pihlajamaa ehren und seine Lebensgeschichte in einer zweimal stattfindenden Konzertveranstaltung dem Basler Publikum näher bringen. Die preisgekrönte Akkordeonkünstlerin Sofia Ahjoniemi, die ihre Studien in Helsinki, Würzburg und Basel absolvierte und dabei Lasse Pihlajamaa persönlich kennenlernen durfte, spielt ausgewählte Solostücke von seinem mehr als 200 Kompositionen umfassenden Lebenswerk. Mit Arrangements für Duo Akkordeon & Violoncello werden Ahjoniemi und der Cellist Joonas Pitkänen die Zuhörer über die „Bühnentauglichkeit“ des Akkordeons als Konzertinstrument der Kunstmusik überzeugen– ganz im Sinne des Visionärs Lasse Pihlajamaa.  

Unter dem Polarlicht

Jubiläum anlässlich des 100. Geburtstags von Lasse Pihlajamaa/ 

Hommage an die Ikone der finnischen Akkordeonkunst

 

Lasse Pihlajamaa (1916–2007)

Ausgewählte Stücke für Akkordeon Solo:

Variationen im Moll (Muunnelmia mollissa, 1968)

Tanz des Windes (Tuulen tanssi, 1949)

Unter dem Polarlicht (Revontulten alla, 1975)

Schottisch & Polka Potpourri bearb. von Sofia Ahjoniemi

Rumänische Rhapsodie (Romanialainen rapsodia, 1949)

Verhextes Akkordeon (Noiduttu hanuri, 1941)

 

Sulkhan Tsintsadze (1925-1991)

Chonguri für Violoncello 

 

J. S. Bach (1685-1750)
Das alte Jahr vergangen ist (BWV 614)
Herr Gott, nun schleuss' den Himmel auf (BWV 617)
Ich ruf' zu Dir, Herr Jesu Christ (BWV 639)
bearb. für Violoncello und Akkordeon von Thomas Demenga 

Gabriel Fauré (1845-1924) 
Après un rêve, op. 7 Nr. 1 (1878), für Violoncello und Akkordeon

 

Lasse Pihlajamaa (1916–2007)

Jugenderinnerungen für Violoncello und Akkordeon 

(Nuoruusmuistoja, 1941)

 

Künstler

Sofia Ahjoniemi, Akkordeon

Joonas Pitkänen, Violoncello 

 

Konzertbegrüssung: Sven Allemann, Gastgeber Piano Eckenstein

 

Kontakt Feeling blue & white

 

Künstlerische Leitung: Joonas Pitkänen, pitkaenen(at)gmx.ch, Tel 078 718 9033
PR & Events: Krista Järvensivu, jaervensivu(at)gmx.ch, Tel 077 415 7688

© Konzertgesellschaft für finnische Musik 2019